Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: „Lassen Sie sich beraten“

Eine Hand an einer Kreissäge

Augsburg. Die zweite Veranstaltung der Seminarreihe „Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“ hat am Mittwoch stattgefunden. Dr. Simon Goebel (Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH im Bayerischen Netzwerk „Beratung und Arbeitsmarktvermittlung für Flüchtlinge“ (BAVF II)) informierte im zib über den Zugang zu Praktikum, Ausbildung und Beschäftigung.

Die 17 Teilnehmer*innen lernten, dass es stark vom Einzelfall abhängt, ob und unter welchen Bedingungen ein Flüchtling eine Beschäftigungserlaubnis erhält. Neben dem Aufenthaltsstatus können die bisherige Aufenthaltsdauer in Deutschland und das Herkunftsland eine wichtige Rolle spielen. Die Ausländerbehörden genehmigen Anträge auf Beschäftigungserlaubnis von Asylbewerber*innen aus Eritrea, Irak, Iran, Somalia und Syrien beispielsweise eher als Anträge von Asylbewerber*innen aus Senegal (so genanntes „sicheres Herkunftsland“). Bei Afghan*innen kann die Vorlage eines Passes zur Genehmigung führen.

Hinzu kommt die sogenannte Vorrangprüfung: Wenn ein Arbeitgeber einen Flüchtling mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung einstellen will, prüft die Agentur für Arbeit davor, ob an seiner Stelle eine aufenthaltsrechtlich besser gestellte Person den Job übernehmen könnte. Diese Prüfung gibt es längst nicht mehr in allen Bundesländern, auch in Bayern wurde sie vielerorts ausgesetzt. In Augsburg wird sie aber nach wie vor durchgeführt.

Mit dem Integrationsgesetz wurde wiederum eine besondere Möglichkeit für Geduldete geschaffen, um eine Ausbildung abschließen zu können (Ausbildungsduldung in der sogenannten „3+2-Regelung“). Diese „wurde vom bayerischen Innenministerium jedoch weitgehend ad absurdum geführt“, kritisierte Simon Goebel. Lediglich für Asylbewerber*innen, die sich bereits in einer Ausbildung befinden und dann einen ablehnenden Asylbescheid erhalten, wird eine Ausbildungsduldung unter bestimmten Bedingungen gewährt. Wer diese Erlaubnis erhält, darf im Anschluss an die Ausbildung zwei weitere Jahre mit einer Aufenthaltserlaubnis im Betrieb arbeiten.

Weil das Themengebiet schwer zu überschauen ist, sprach Simon Goebel eine klare Empfehlung an die Anwesenden aus: „Am besten lassen Sie sich im Projekt BAVF beraten.“ Der Referent empfahl außerdem eine Tabelle auf der Website einwanderer.net. Sie zeigt an, in welchen Fällen Personen mit Duldung oder Aufenthaltsgestattung, die ein Praktikum machen möchten, eine Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörde oder eine Zustimmung der Arbeitsagentur benötigen.

Vorbild der Seminarreihe „Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“ ist das gleichnamige Konzept des Projektes MigraNet. Der nächste Vortrag der Reihe findet am kommenden Mittwoch statt. El Mostafa Sghir von MigraNet wird dann über die Anerkennung ausländischer Qualifikationen informieren.